
Einfach weggeworfen
Als ich meinen letzten Artikel über das Tierelend auf Gran Canaria schrieb, hatte ich eigentlich vor, über meine Wanderung am letzten Sonntag zu schreiben. Nachdem ich dann über die Gesamtsituation geschrieben hatte, bin ich dann gar nicht mehr dazu gekommen, über das zu berichten, was ich vor hatte.
Das hole ich jetzt nach.
Am Sonntag wollte André mit dem Mountainbike nach Guayadeque fahren und ich hatte vor, hier am Ortsrand von Cruce de Arinaga eine Bergwanderung zu machen. Ausgerechnet an diesem Tag hatten wir Calima und es war bestimmt 32°C warm. Mit unseren Hunden, einem Rucksack mit Wasser für uns drei und einem kleinen Snack machten wir uns aber trotzdem auf den Weg.
Der kürzeste Weg zu meinem Berg führt durch ein Wohngebiet, das sehr ärmlich und äusserst ungepflegt ist. Wegen des Unrates, der am Wegesrand herumliegt und den man besser übersieht, bezeichne ich die Bewohner dieser Gegend immer als Hottentotten.
Vor dem letzten Haus der Hottentotten liegt meist ein Schäferhund-Mix, der auch mehr oder weniger wild lebt. Ich wage zu bezweifeln, dass dieser Hund regelmäßig etwas zu fressen bekommt. Als ich an dem Hund vorbei ging, hörte ich das Bellen des Schäferhundes und ein leises Winseln von Welpen. Da wurde ich natürlich aufmerksam und begann nachzusehen, wo das Gejammer herkam.
Ich entdeckte in der prallen Sonne vor einem abgeriegelten Ziegenstall einen Karton mit zwei Welpen, die höchstens 5-6 Wochen alt waren. Ein kleiner weißer Hund und ein hellbrauner.
„Einfach weggeworfen“, das schoss mir als erstes durch den Kopf. Genau wie „Mücke“, unser kleines Terrier-Mädchen, das bereits im Alter von knapp acht Wochen in der Tötungsstation (Perrera) saß und da wohl niemals wieder heraus gekommen wäre, wenn wir sie nicht geholt hätten. Mischlinge sind bei den Kanarios noch weniger wert als reinrassige Hunde.
Als erstes nahm ich den Karton aus der Sonne und fand gegenüber einen Schattenplatz. Ich beschloss, auf meine ausgiebige Wanderung zu verzichten, stattdessen lieber eine kürzere Runde zu laufen und mich dann um die Welpen zu kümmern.
Auf dem Rückweg stand der Karton immer noch an der selben Stelle. Weil ich schlecht mit zwei Hunden an der Leine und einem Karton mit Hundebabys laufen konnte, ließ ich den Karton stehen und machte mich auf den Weg nach Hause. Unterwegs rief André an und ich berichtete von meinem Fund. Der hatte die gleiche Idee wie ich und als ich zu Hause war, rief ich beim Verein zur Rettung totgeweihter Hunde auf Gran Canaria (RTH) an. Zwanzig Minuten später traf ich mich mit zwei Mitarbeiterinnen des Vereins, die die beiden Welpen mitnahmen.
Bei den beiden Kleinen handelte es sich wohl um etwa sechs Wochen alte Podenco-Rüden. Der Podenco ist der typische Jagdhund hier auf den Kanarischen Inseln. Allerdings taugen Rüden für die Jagd nicht viel, deshalb ist es hier nicht unüblich, die Welpen frühzeitig zu entsorgen. Ich war heilfroh, dass die beiden Hunde in gute Hände gekommen sind. Wenn sie geimpft, gechipt usw. sind, kann man davon ausgehen, dass sie nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz, vermittelt werden. Hoffentlich bekommen sie ein gutes Zuhause.
Ich werde in Zukunft bei meinen Wanderungen auf jeden Fall noch aufmerksamer sein und sofort reagieren, wenn ich winselnde Hunde höre.
Wenn ich es mir recht überlege, ist das die einzige Schattenseite hier auf Gran Canaria. Ich kann nicht verstehen, wie man so ekelhaft und gewissenlos mit Tieren umgehen kann. Immer wieder hoffe ich, dass die Menschen hier doch noch lernen, die Verantwortung für ein Tier zu übernehmen und sich vernünftig um sie zu kümmern. Man kann nur selber als gutes Beispiel vorangehen.
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