
Tierelend auf Gran Canaria
Wenn man nach Gran Canaria kommt, sei es um Urlaub zu machen, oder aber um dauerhaft hier zu leben, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Tiere in den meisten Fällen herzlich wenig wert sind und auch dementsprechend behandelt werden.
Ausnahmen bestätigen selbstverständlich, wie immer, die Regel. In den letzten zwei Jahren, seit wir hier auf der Insel leben, habe ich so einiges gesehen, was ich lieber nicht gesehen hätte. Manchmal ist es besser, wenn man gewisse Dinge einfach ignoriert, besonders dann, wenn man sowieso nichts an der Situation ändern kann.
Kettenhunde, die an viel zu kurzen Leinen auf irgendeinem Grundstück dahin vegetieren, gehören ebenso dazu wie die zahlreichen abgemagerten Hunde, die vermutlich noch nie in ihrem Leben eine Wurm- und Flohkur bekommen haben. Von den unzähligen Hunden und Katzen, die auf den Dachterrassen und Balkonen Gran Canarias „leben“, ganz zu schweigen.
Bei unserem Nachbarn wohnt ein Sibirian Husky auf dem Dach, der sage und schreibe etwa 40qm hat, um sich richtig „auszutoben“. Auf die Idee, mit dem Hund Gassi zu gehen, kommen die Besitzer des Hundes nicht. Eine Etage tiefer lebt ein Yorkshire Terrier auf einem Balkon, eine Schande. Manchmal möchte man die Leute hier schütteln, aber was würde das nützen?
Dann gibt es wieder Zustände, an denen kann man einfach nicht vorbei sehen. Das sind zum Beispiel die Tötungsstationen auf der Insel, die als „Perrera“ bezeichnet werden. Unliebsamen Hunden und Katzen, die keiner mehr haben will und dort abgeliefert werden, sei es von deren netten Besitzern oder von Tierfängern, bleiben noch ganze drei Wochen in einer engen Box, bevor sie getötet werden. Als wir uns vor 1 ½ Jahren dazu entschlossen, eine Gefährtin für unseren Staffordshire Terrier „Herr Meyer“ zu uns zu nehmen, war von vornherein klar, dass wir einen Hund aus der Perrera holen würden.
Bereut haben wir es nie, unsere „Mücke“ ist ein unglaublich dankbarer Hund, der genau weiß, wo sie herkommt.
Wer hier leben will, sollte wissen, dass hier vieles anders ist, als wie man es aus Deutschland kennt. Wenn man etwas gegen diese Zustände tun will, kann man nur jedem anraten, sich keinen Hund vom Hundezüchter zu holen, sondern sich unbedingt einen Hund aus der Perrera zu holen. Jeder Cent, den man einem Hundezüchter in den Rachen wirft, ist schon zu viel.
Übrigens, ich kenne kaum Deutsche hier auf der Insel, die kein Haustier haben. Hier kommt jeder zu einem Tier, ob er will oder nicht. Früher oder später läuft einem schon ein Tierchen hinterher oder wartet direkt vor der Haustür. Unseren Bekannten passierte kürzlich eine ähnliche Geschichte. Da hatte doch glatt jemand seinen sechs Monate alten Hund auf deren Terrasse entsorgt. Zum Glück entschloss sich die Familie spontan, den Hund zu behalten. Über so ein Happy End freut man sich besonders!
Über das Tierelend auf Gran Canaria werde ich wohl noch öfter berichten, da gehen einem die Geschichten niemals aus...leider!
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